19.2.07

Maastricht

Wenn man schon mal in den Niederlanden ist, sollte man die Gelegenheit nutzen, sich auch alles mal anzugucken. Meinen die anderen. Sind halt alles keine Nordrhein-Westfalen. Die 215 Kilometer von Amsterdam bis Maastricht sind für für mich persönlich 12 Kilometer mehr als wenn ich in Menden (Sauerland) gestartet wäre.
Trotzdem muss man sich Karneval in Maastricht auch als Karnevalshasser mal besuchen, schon allein aus landeskundlichem Interesse. Und wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist, kann's auch wirklich Spaß machen. Non, je ne regriette rien.

les éen: de trein
Zugfahren in den Niederlanden erinnert ein bisschen an Metro- oder Straßenbahnfahren. Denn alles ist etwas - nennen wir es flexibler. Dass ein Zug kurzfristig komplett ausfällt, kommt in Deutschland zwar schon mal vor, ist aber doch sehr unwahrscheinlich. Und wenn, dann hat man ein Problem. Zum Vergleich unsere Reise gestern:
Laut Online-Fahrplanauskunft geht's von Amsterdam Zuid nach Eindhoven, dort dann umsteigen nach Maastricht. Am Bahnsteig dann die Durchsage: Der Zug nach Utrecht fährt nicht. Reizigers kunnen de stoptrein naar ... Zur Sicherheit noch mal am Schalter nachgefragt, schließlich ist es eher uncool mit acht Leuten eine suboptimale Verbindung zu nehmen. Ja, kein Problem, wir sollen einfach den Zug in zehn Minuten nehmen und dann in Duivendrecht umsteigen. Dort nochmal nachgefragt und in den Sonder-Intercity nach Maastricht, der auf keinem Fahrplan steht aber trotzdem fährt. Eigentlich wären wir 2 Stunden 42 Minuten unterwegs gewesen, jetzt waren es vielleicht 15 Minuten mehr, wenn überhaupt.
Auf dem Rückweg umsteigen in Utrecht. Tussen Amsterdam Bijlmer en Amsterdam Zuid reden als gevolg van een wisselstoring geen treinen. In Duivendrecht also raus und in den anderen Zug, der vier Minuten später die eine letzte Station zwischen Duivendrecht und Zuid fährt.
Blöd wär's nur, wenn man die Durchsagen nicht verstehen würde.

les twee: carnaval
Karneval wird nicht überall in den Niederlanden gefeiert, wohl aber in Maastricht, Eindhoven und 's-Hertogenbosch. Trotzdem kann man es von der Größe auf keinen Fall mit dem Rheinland vergleichen. Den Karnevalszug kann man sich ohne Probleme in der ersten Reihe angucken, in den engen Straßen und Gassen der Maastrichter Innenstadt ist allerdings kein Durchkommen und alles ist eine große Party.
Wer diese fröhlich guckende Dame ist, die sich da zwischen uns geschlichen hat, weiß ich nicht.


les drie: dialect
Maastricht liegt in Limburg. Das ist ein Problem. Denn die Limburger pflegen einen äußerst merkwürdigen Dialekt, auf den sie auch noch so stolz sind, dass sie ihn überall- erst Recht an Karneval - gebrauchen.
Geschrieben ist das noch recht gut zu verstehen, ein bisschen wie Niederländisch mit Germanismen auf allen Ebenen. Gesprochen versteht man gar nichts.

14.2.08

retourtje rotterdam

Über Bahnfahren hebben wij het al eens gehad. Noch einige Beobachtungen während einer Fahrt Münster-Rotterdam und zurück.
  • Bahnfahren ist europäisch. Beim Umsteigen in Hengelo entpuppt sich der niederländische Zug als ein deutscher Intercity, gezogen von einer niederländischen Lok auf dem Weg von Hannover nach Amsterdam-Schiphol. Goedemorgen dames en heren, welkom bij NS-Highspeed. U zit in een internationale trein... Und das in einem Zug, in dem alle Aufschriften auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch (in der Reihenfolge, wie fast immer bei der Deutschen Bahn) sind. Dumm nur, dass deutsche Intercitys viel unkomfortabler (und in Deutschland auch noch viel teurer!) sind.

  • Bahnfahren ist noch überhaupt nicht europäisch. Zumindest was die Tarifsysteme angeht. Aber das jetzt zu beschreiben, wär zu kompliziert. Auf jeden Fall ist es in den Niederlanden spottbillig und absolut einfach im Vergleich zu Deutschland. Was man von den Fahrplänen nicht sagen kann. Denen kann man zwar immer auch entnehmen, welche Alternativrouten man nehmen könnte. Aber wann man ankommt, erfährt man nicht. Verbindungen selbst ausdrucken am Fahrkartenautomat ist auch nicht drin. Da muss man schon fragen.

  • Bevor Niederländer sich über nervige Zeitgenossen beschweren, muss unglaublich viel passieren. In den niederländischen Intercitys gibt es stiltecopés, Abteile, in denen es ruhig sein soll. Im vollbesetzten stiltecoupé zwischen Hengelo und Amersfoort ist es absolut still. Bis auf eine Frau, die den ganzen Wagen mit ihrem Handytelefonat auf Spanisch beschallt. In Deutschland hätte sie sich vermutlich schnell ein unfreundliches "RUHE!" eingehandelt. Nicht so im Intercity Hengelo-Amersfoort. Nach zehn Minuten, in denen ich es nicht geschafft habe, auch nur eine Seite in meinem Buch zu lesen, frage ich mich, ob ich weiter soziologische Feldforschung betreiben und die Reaktionen der Mitreisenden abwarten soll. Nach fünf weiteren Minuten halte ich es nicht mehr aus und werde vom passiven Beobachter zum Aktanten und drehe mich um: "Sorry hoor, maar ik vind het écht vervelend!" (Entschuldigung, aber ich find' das echt nervig). Der Typ, der der Telefoniererin gegenübersitzt, sagt: "Dat vindt volgens mij iedereen hier." (Das findet glaube ich jeder hier.) Ein paar Leute nicken. Sonst sagt niemand was. Aber die Frau ist ab sofort nicht mehr zu hören. Ich höre mich nur noch antworten: "Maar waarom zégt dan niemand iets?" (Aber warum sagt dann niemand was?) Keine weitere Reaktion. Von niemandem. Aber es ist ruhig.

    Und dabei habe ich nur einen einzigen kurzen, sogar relativ freundlichen, Satz gesagt.

    Den die Telefoniererin vermutlich noch nicht mal verstanden hat.

(geschrieben in der Regionalbahn Enschede-Münster)

1.10.06

haarlem en bloemendaal aan zee

Lass uns morgen ans Meer fahren! Gut, kein Problem. Knapp 30 km. Eine Karte haben wir zwar nicht, aber eigentlich ist es ganz einfach: Quer durch Amsterdam bis zur Beachvolleyballhalle, dann immer der N200 (Haarlemerstraat) folgen. Dafür, dass ich mir eigentlich vorgenommen habe, nie mehr mit Spaniern oder Amerikanern irgendwo hin zu fietsen, klappt es erstaunlich gut und einigermaßen zügig - immerhin sind neun von uns dreizehn Spanier.
Trotzdem ("Damian, how far is it?") gibt's in Haarlem erst mal ne Pause in nem Supermarkt und ein Picknick mitten in Haarlem, schön mit Baguette, Käse, Salat, Gemüse, Wurst - all so was. Weder die Kassiererin ("Sorry, maar ik weet niet wat dat is...") noch die Spanier kennen Kohlrabi.

Seht ihr das im Vordergrund? Pindakaas, also Erdnussbutter. Wirklich wiederlich.

In Bloemendaal an Zee sind dann wirklich fast alle ins Wasser gegangen, schön mit Wellen, viel Spaß. Zurück ist nur der harte Kern gefietst, der Rest ist mit dem Zug gefahren. Und war genau zehn Minuten vor uns da, obwohl wir uns im Dunkeln einmal verfahren haben.